 | Visionen zu haben bedeutet, sich vorstellen zu können, was man eigentlich haben will und sehen möchte; nicht das, was uns herkömmlich als begehrenswert gelehrt worden ist, und auch nicht das was man nach gemachten Erfahrungen nunmehr vernünftigerweise haben will. Echte Visionen sind frei von Überlegungen, ob das auch machbar ist, frei von Unglauben und erfahrenen Enttäuschungen. Die Vorstellungskraft bewegt sich ungehemmt durch den Raum der Träume. (...) | Visionen zu haben bedeutet, sich vorstellen zu können, was man eigentlich haben will und sehen möchte; nicht das, was uns herkömmlich als begehrenswert gelehrt worden ist, und auch nicht das was man nach gemachten Erfahrungen nunmehr vernünftigerweise haben will. Echte Visionen sind frei von Überlegungen, ob das auch machbar ist, frei von Unglauben und erfahrenen Enttäuschungen. Die Vorstellungskraft bewegt sich ungehemmt durch den Raum der Träume. (...) Ganz im Sinne der Skeptiker müssen wir einräumen, daß es für die Weltgemeinschaft nicht möglich ist, den Weg einer aufrechterhaltbaren Gesellschaftsstruktur visionär zu erkennen. Visionen ohne Handeln sind nutzlos. Aber das Handeln ohne Visionen hat kein faßbares Ziel. Visionen sind absolut erforderlich zur Motivierung und Lenkung des Handelns. (...) Eine neue Gesellschaft kann niemals zustandekommen, wenn sie nicht visionär vorgezeichnet wird (Donella und Dennis Meadows, 1992). In einer Zeit, die nicht nur das Ende der historischen Städte, sondern auch das Ende der Ma-sterpläne einerseits und das Ende eines modernen "laissez faire" andererseits bedingen muß, in einer Zeit, in der trotzalledem ein entscheidender Teil der (Menschheits)Geschichte wie-der gegenwärtiger denn je geworden ist, (in einer Zeit in der, um die Situation zu verbildlichen, ein Auto auf einem Zug mit 300 km/h quer durch Europa schießt, währenddessen ein Autoinsasse parallel via Computer an zwei Konferenzen in Tokio und New York teilnimmt), in einer Zeit in der sich bereits längst vergangen geglaubte Topoi in gleichzeitig präsente Utopien verwandelt haben, (in einer Zeit in der Stadt wieder Schutz vor einer drohenden Umweltkatastrophe bedeutet und in der die Menschen - die Nomaden im Cyberspace - wieder selbst zum Mittelpunkt der Welt werden) stellt sich die Frage, ob Architektur und im speziellen der Städtebau in diesem Sinne in einer Krise steckt oder gar überholt ist. Wir haben heutzutage Instrumente der Synchronologie, mit denen alle Räume gleichzeitig präsent sind, Räume die nach Kant eine transzendentale Identität haben, das heißt, Räume sind ein Nichts, sobald wir die Bedingungen der Möglichkeit aller Erfahrungen weglassen und Räume sind mithin die reine apriorische Anschauungsform unseres äußeren Sinnes. Architektur und Städtebau werden zu Disziplinen, die mit diesen Rahmenbedingungen zu arbeiten haben, Bedingungen, die also nicht eine Veränderung von Räumen, sondern einer Veränderung der Verfügbarkeit von Räumen bedürfen. Raumnot, bedeutet also nicht die Not an Raum, sondern die Not an Verfügbarkeit von Räumen. Um den Problemen der Raumnot, das heißt dem Mangel an Verfügbarkeit von Räumen, Lösungsansätze entgegenzustellen, erdenken wir in einer digitalen Welt Vehikel, die in nahezu unvorstellbarer Geschwindigkeit, schneller als die der Datenhighways, Räume verfügbar machen, Vehikel, die also Räume, die überall jetzt sind, Räume, die somit zeitlos sind, vernetzen. Es sind Vehikel die in ihrer Summe eine Neue Welt beschreiben, die dieses Neue Weltmodell also selbst sind und somit schweigen. Wenn die Welt der Daten zeitlos ist wie kann man dann überhaupt über sie reden? Warum zweifeln wir an der Möglichkeit aus frei verfügbaren Informationsbits eine digitale Welt, ein Universum der technischen Bilder zu schaffen, obwohl es uns gelungen ist eine sogenannte reale Welt und auch uns selbst in Informationen und Punktelemente zu zerlegen? Rechtfertigt das Engagement gegen die Entropie, das heißt der Wunsch nach Unsterblichkeit, die Entwicklung einer digitalen Welt, die ewig und deswegen göttlich aber gottlos ist? Macht es uns Angst daß alle Menschen in einerer Digitalen Welt potentielle Schöpfer sind und ein Leben in der Kontemplation von selbstgeschaffenen Bildern führen? Fürchten wir die eigene Freiheit? Wie können wir die faschistische Struktur der gegenwärtigen Bildausstrahlung, die von vordefinierten Sendern geprägt wird, dauerhaft umformen? Bietet der Standpunkt des Technikers genug Übersicht um eine dialogisierende Gesellschaftsform der technischen Bildwelten zu entwickeln? Wird man der Welt der technischen Bilder gerecht, wenn man in ihr materielle Erscheinungsformen nachbildet? Hätten wir, ohne die Augen zu öffnen und ohne zu gehen und zu berühren, die Welt als räumlich und materiell erkennen können? Befinden wir uns bezüglich der technischen Bildwelt in der Situation eines Wesens, das mit geschlossenen Augen und bewegungslos einen fremden Raum erkunden will? Kann ein abstraktes, imaterielles Universum von körperhaften Lebewesen konkret erlebt werden ohne sich selbst einer Abstraktion zu unterwerfen, und muß diese Abstraktion im Endeffekt einen Verlust der Körperlichkeit bedeuten? Warum wird bei den Bildern dieser digitalen Welten von virtuellen Räumen gesprochen? - Von Räumen zu sprechen, ist sicher unrichtig, wenn man diese als traditionelle, geometrische Räume sieht. Erachtet man aber den Raum als dritte Dimension aufgespannt durch Zeit und Fläche, so ist die Bezeichnung Raum zwar noch immer verwirrend und nicht eindeutig, aber sehr wohl adäquat. Ein Sehen in diesen technischen Bildern ist ein Filmesehen, ein Filmesehen digitaler Bilder. Wo Wahrscheinlichwerden den höchsten Grad erreicht, dort, wo es daran ist, ins Wirkliche umzustürzen, spricht man von virtuell, je unwahrscheinlicher die Möglichkeiten werden, desto informativer sind sie, bis sie schließlich an der Grenze zum Unwirklichen angelangen. So sind virtuelle Räume höchst wahrscheinlichwerdende Zeit-Flächen-Kontinuen. | Ganz im Sinne der Skeptiker müssen wir einräumen, daß es für die Weltgemeinschaft nicht möglich ist, den Weg einer aufrechterhaltbaren Gesellschaftsstruktur visionär zu erkennen. |